Achterbahnleben. Ein neues Kapitel beginnt.

Manche Menschen leben geradlinig. Aufstieg. Plan. Ziel. Ankommen. Andere leben in Schleifen, Stürzen, unerwarteten Aufschwüngen. Nicht weil sie es falsch machen. Sondern weil sie es anders machen.

Ich bin anders. Nicht, weil ich es mir so ausgesucht habe. Ich habe mich da plötzlich wiedergefunden. Am Rand. Und lebe inzwischen wieder mitten in der Gesellschaft. Mit der täglichen Gefahr, wieder abzustürzen.

Ich kenne diese Welt von innen. Durch Ausgrenzung. Durch eine Achterbahn im Kopf, die ich mir nicht ausgesucht habe. Ich bin einer von ihnen.

Was mich dabei an mir und meinen Mitmenschen immer wieder überrascht: Wie viel Kraft in genau diesen Leben steckt. Wie viel Kreativität, Empathie, Mut. Und wie wenig davon sichtbar ist.

Ab heute schreibe ich regelmäßig über diese Welt. Über Menschen, die anders sind. Über Neurodivergenz, Ausgrenzung, das Leben abseits der Norm – und darüber, was entsteht, wenn man aufhört, sich dafür zu schämen.

Ich schreibe darüber, während ich noch mittendrin bin.

Das erste Bild dieser Serie entstand im Rijksmuseum Amsterdam. Es zeigt mich vor einem Selbstporträt Rembrandts — gemalt um 1628. Er war damals ungefähr 22 Jahre alt.

Ein junger Mann, der sich selbst in die Augen schaut. Suchend. Noch unsicher. Aber mit einem Blick, der nichts versteckt.

Rembrandt van Rijn lebte eine Achterbahn. In jungen Jahren Ruhm und Erfolg, gefeiert weit über Amsterdam hinaus, sein Ruhm reichte durch ganz Europa. Dann der Absturz: Schulden, Insolvenz, der Verlust seines Hauses, seiner Sammlung, fast aller Besitztümer. Er verlor seine Frau, seine Geliebte, seinen Sohn. Und trotzdem: Er hörte nicht auf zu malen. Im Gegenteil - die späten Selbstporträts, gemalt als alter, ruinierter, einsamer Mann, gehören zum Ehrlichsten, was die Kunstgeschichte kennt.

Er hat sich selbst nicht aufgehübscht. Er hat sich angeschaut.

Ich habe Rembrandt als Ersten für diese Serie gewählt, weil ich mich in diesem Blick wiederfinde. Nicht im Ruhm. Nicht im Absturz. Sondern in dieser einen Haltung: sich selbst anzuschauen, ohne etwas wegzulassen.

Das ist es, worum es in Achterbahnleben geht.

Nik

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