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»La tristesse durera toujours« Die Traurigkeit wird ewig dauern.
Das waren Vincents letzte Worte. Überliefert von seinem Bruder Theo. Der dabei war. Wie immer.
Ich stehe vor diesem Selbstporträt im Van Gogh Museum in Amsterdam und denke nicht nur an Vincent. Ich denke an Theo.
Vincent van Gogh wurde 1853 in eine gehobene niederländische Mittelschichtfamilie geboren. Er zeichnete schon als Kind: ernst, still, nachdenklich. Als junger Mann arbeitete er als Kunsthändler, reiste durch Europa, schrieb hunderte Briefe. Nach seiner Versetzung nach London verfiel er in Depressionen. Was folgte, waren Jahrzehnte zwischen kreativem Rausch und psychischem Zusammenbruch. Armut. Krisen. Klinikaufenthalte. Und immer: Theo.
Theo van Gogh war vier Jahre jünger. Er arbeitete als Kunsthändler in Paris, schickte Vincent monatlich Geld – oft das eigene. Er beantwortete jeden Brief. Er glaubte an die Gemälde, als kein Käufer sie wollte. Er hielt aus, was kaum jemand aushält: die dauerhafte Nähe zu einem Menschen, der zwischen Genie und Abgrund lebte.
Vincent starb am 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise. Er war 37 Jahre alt. Zwei Tage zuvor hatte er sich erschossen. Theo war an seinem Sterbebett.
Was danach mit Theo geschah, wird selten erzählt.
Am 9. Oktober 1890 – zehn Wochen nach Vincents Tod – brach Theo zusammen. Am 12. Oktober wurde er in eine Psychiatrie eingewiesen. Auf dem Aufnahmeblatt steht in der Spalte „Krankheitsursache":
„Chronische Krankheit. Überanstrengung und Kummer. Er hat ein Leben voller gefühlsmäßiger Spannung geführt."
Dieser Satz ist über 130 Jahre alt. Er könnte heute geschrieben worden sein.
Theo starb am 25. Januar 1891. Er war 33 Jahre alt. Ein halbes Jahr nach Vincent. Heute liegen ihre Gräber auf dem Friedhof von Auvers-sur-Oise nebeneinander.
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Was mit Theo geschah, kennen viele Angehörige. Auch ohne das 19. Jahrhundert, auch ohne Syphilis.
Die Last, die bleibt, wenn man jahrelang für jemanden da war. Das Trauma, das sich in den Körper frisst, wenn dieser Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Die Erschöpfung, die niemand sieht, weil alle auf den anderen geschaut haben.
Angehörige tragen etwas, das selten einen Namen bekommt. Kein Aufnahmeblatt für sie. Keine Diagnose. Nur: weitermachen.
Achterbahnleben ist auch für Theo.
Für alle, die nicht im Mittelpunkt stehen – und trotzdem alles geben.
Die Fahrt geht weiter.